Biiken

Die Biiken (Sylter Friesisch: „Feuerzeichen“) sind eine uralte Tradition und ein Stück lebendiges Brauchtum, dessen Bedeutung sich im Laufe der Jahrhunderte mehrmals gewandelt hat. Die Ursprünge des Feuerrituals liegen in grauer Vorzeit.

Als heidnische Opfergabe sollten die zehrenden Flammen die Götter gnädig stimmen und symbolisierten zugleich den Glauben an die Naturkräfte. Vor allem Wodan, der Totengott, wurde sehr verehrt. Denn wenn man es sich mit ihm verdarb, dann ritt er mit seinen Hunden am Himmel durch die Nacht, peitschte Stürme übers Meer und brachte den Friesen das Verderben. In späterer Zeit standen die Biiken für die Vertreibung des Winters und dienten zeitweilig auch als Warnsignal – wenn etwa Piraten vor der Küste auftauchten, so sprach sich das wie ein Lauffeuer herum. Als sich im 17. und 18. Jahrhundert zahlreiche Bewohner der Inseln Sylt, Föhr und Amrum als Seefahrer verdingten, wurden sie von den Daheimgebliebenen mit den Feuern verabschiedet. Manche Seefahrer nutzten die Biiken auch als Treffpunkt, um sich an einem der nächsten Tage für die gemeinsame Abreise nach Hamburg oder Holland zu verabreden, wo sie auf Walfangschiffen anheuerten. Es war jene Zeit, als die Jagd auf den Pottwal im Eismeer vor Spitzbergen den Wohlstand nach Nordfriesland brachte. Im 19. Jahrhundert wandelte sich die Bedeutung der Biiken abermals: Nun standen sie für die Zusammengehörigkeit und die Heimatliebe der Friesen.

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